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  • Gracie History
  • Frühe Darstellung von Grappling

DER URSPRUNG DES JIU-JITSU

„Es gibt unterschiedliche Ansichten in Bezug auf den Ursprung und das Geburtsland des Ju Jutsus. Sie sind jedoch bloße Annahmen, die auf Erzählungen über Gründungen gewisser Schulen oder auf beiläufigen Aufzeichnungen oder Illustrationen in historischen Manuskripten aus Japan, aber auch China, Persien, Deutschland und Ägypten basieren. Es gibt keine Aufzeichnung, die den Ursprung des Ju Jutsus definitiv festlegt. Es wäre jedoch eine rationale Annahme, dass der Mensch seit seiner Erschaffung, mit dem Instinkt der Selbsterhaltung, um seine Existenz kämpfen musste und motiviert war, eine Kunst oder Fertigkeit zu entwickeln und die Körpermechanismen für diesen Zweck einzusetzen. Es kann sein, dass die Entwicklung dieser Bemühungen verschiedene Richtungen genommen hat, je nach Lebensbedingungen oder Situation des Stammes. Da aber das Objekt und die Mechanismen des Körpers dieselben sind, konnten die Resultate nicht sehr verschieden voneinander gewesen sein. Zweifelsohne ist dies der Grund, wieso Aufzeichnungen zur Ausübung von Ju Jutsu-ähnlichen Künsten in verschiedenen Teilen der Welt gefunden werden und wieso man keine Aufzeichnungen zum Ursprung des Ju Jutsus findet.“

--Sensei G. Koizumi, Kodokan 7. Dan

DIE EINZELNEN THEORIEN

Wie in vielen anderen Gebieten der Geschichte ist es unmöglich, den Ursprung des Jiu-Jitsus genau zu beschreiben. Es mangelt jedoch nicht an Hypothesen. Jede Kultur weist in ihrer Geschichte die eine oder andere Art von Nahkampf auf. Kämpfe ohne Waffen figurieren normalerweise in der Form von Ringen oder manchmal Boxen. Wenn man die Kampfhistorie betrachtet, kann man erkennen, dass die Techniken des Ringens im Jiu-Jitsu vom antiken Griechenland beeinflusst wurden. Die Olympischen Spiele waren eine griechische Tradition, bei der Pankration, eine der beliebtesten Sportarten, ein Sport war, der sowohl Techniken des Boxens als auch des Ringens beinhaltete und bei den Griechen populärer war, als die eine oder andere Technik alleine. Alexander der Große brachte durch seine Eroberungen (356 bis 323 v. Chr.) die griechische Kultur in die von ihm eroberten Gebiete. Diese reichten bis nach Indien, wo er die Bräuche und Ideale der griechischen Kultur bei der Bevölkerung dieser Gegend einführte; eine Gegend, in der wahrscheinlich die Grundlagen des Jiu-Jitsus geboren wurden.

Die allgemeine Vorstellung, mit der sich die meisten Historiker einverstanden erklären, ist, dass systematische Kampfkunsttechniken zusammen mit dem Buddhismus (Dharma) von Indien herrührten. Man ist der Auffassung, dass der Shaolin-Tempel im Zentrum Chinas gebaut wurde und dies der Ort war, wo Dharma Buddhismus und Boxen eingeführt hat. Buddhistische Mönche im Norden Indiens sollen zur frühen Entwicklung des Jiu-Jitsus stark beigetragen haben. Die Mönche wurden während ihrer langen Reisen durch das Innere Indiens ständig von Banditen angegriffen. Da die buddhistischen religiösen und moralischen Werte die Verwendung von Waffen nicht geboten, waren sie gezwungen, ein Selbstverteidigungssystem für den Kampf mit leeren Händen zu entwickeln.

Diese Mönche waren Männer großer Weisheit, die perfekte Kenntnisse über den menschlichen Körper besaßen. Infolgedessen wandten sie die physischen Gesetze wie Hebelwirkung, Momentum, Gleichgewicht, Schwerpunkt, Reibung, Gewichtsübertragung und Manipulation der vitalen Punkte der menschlichen Anatomie an und schufen eine wissenschaftliche Art der Selbstverteidigung.

Eine andere Version vertritt die Anschauung, dass Jiu-Jitsu zur Zeit des Falles der Ming-Dynastie von China kam, als ein chinesischer Mönch namens Chin Gen Pinh, mit seinen Kenntnissen und Erfahrungen im Kempo, auch als „chinesische Hand“ bekannt, nach Japan kam. Eine weitere Theorie besagt, dass es Ausübende von Chikura Karube gab, eine Art Ringen, das etwa 200 v. Chr. entstand. Es wird angenommen, dass Chikura Karube sich später in Japan zu Jiu-Jitsu entwickelte.

Eine Tatsache ist gewiss: Die Japaner haben eine Grappling-Kunst zu einem sehr raffinierten Grappling-System verfeinert, das Jiu-Jitsu genannt und in Japan während der feudalen Ära entwickelt wurde.

DIE KUNST DES SAMURAI

Die Geschichte Japans zwischen dem 8. und 16. Jahrhundert ist geprägt von anhaltendem Bürgerkrieg und viele Systeme von Jiu-Jitsu wurden auf dem Schlachtfeld eingesetzt, ausgeübt und perfektioniert. Dieses Training wurde verwendet, um gepanzerte und bewaffnete Gegner besiegen zu können.

Ursprünglich war es eine für die Kriegsführung vorgesehene Kunst. Doch nachdem das feudale System in Japan abgeschafft wurde, mussten gewisse Anpassungen vorgenommen werden, damit die Kunst für das Training besser geeignet war. In den feudalen Zeiten war Jiu-Jitsu auch unter Yawara, Hakuda, Kogusoko und einer Vielzahl anderer Namen bekannt.

Die früheste, schriftlich belegte Verwendung des Wortes „JiuJitsu“ lässt sich auf 1532 zurückführen und wurde von Hisamori Tenenuchi geprägt, als er die erste offizielle Jiu-Jitsu-Schule in Japan errichtete. Der Verlauf der Kunst zu dieser Zeit ist ungewiss, da Lehrer alles geheim hielten, um ihrer Kunst Wichtigkeit zu verleihen und die Geschichten zu ihrer Kunst auch abänderten, um sie ihren eigenen Bedürfnissen anzupassen.

Um 1603 begann in Japan nach der Bildung der Tokugawa-Militärregierung durch Tokugawa Ieyasu eine relativ friedliche Zeit. Während dieser Zeit (1603-1868) verschwanden die feudalen Bürgerkriege, die Japan durch die Jahrhunderte geplagt hatten. Aber gemäß dem Sprichwort „In Frieden leben, aber den Krieg nicht vergessen“, verlangten die Traditionen des klassischen Budo (Kampfkünste), dass jeder eine Methode der Selbstverteidigung für die Situationen lernen sollte, in denen Waffen nicht verwendet werden können. So verbreitete sich die Praktizierung des Jiu-Jitsus weiter. Formen und Techniken, die die Geschicklichkeit mit Waffen zur Schau stellten, wichen waffenlosen Kampfstilen, die viele der Grappling-Bodenkampftechniken der älteren Stile enthielten.

Nachdem die feudale Ära in Japan geendet hatte (Jiu-Jitsu wurde auf dem Schlachtfeld nicht mehr gebraucht), wurde eine realistische Art, die Kunst auszuüben, benötigt. Jigoro Kano (1860-1938), ein gebildeter Mann und Mitglied des Kulturdepartementes und Ausübender des Jiu-Jitsus entwickelte deshalb im späten 19. Jahrhundert seine eigene Version, Judo genannt. Judo war hilfreich, da es den Ausübenden die Möglichkeit bot, die Kunst sicher und gleichzeitig realistisch auszuüben.

Nach einem Vergleich alter Jiu-Jitsu- und Judo-Stile im Polizeipräsidium von Tokyo wurde Judo zur nationalen Kampfkunst Japans ernannt. Es war die offizielle Kunst, die von Gesetzeshütern im späten 19. Jahrhundert verwendet wurde und ist nach wie vor populär.

Aufgrund des sportlichen Ansatzes (mit Regeln, die die Ausübung sicherer machten) war es Jiu-Jitsu-Schülern von Kanos Schule möglich, häufiger zu üben, da sie sich nicht ständig von Verletzungen erholen mussten. Dies erhöhte die Trainingszeit für Schüler von Kanos Schule um ein Vielfaches und steigerte deren Fähigkeiten drastisch. Judo (Kanos Version von Jiu-Jitsu) war eine verwässerte Version des vollkommenen Jiu-Jitsus, enthielt aber noch genügend Techniken, um seine realistische Wirksamkeit zu bewahren. Er nannte es Kodokan Judo. Das Problem, das jedoch auftrat, war, dass im Judo nicht viel Wert auf den Bodenkampf gelegt wurde, da Kano der Ansicht war, dass Bodentechniken weniger wichtig sind als Würfe oder Takedowns.

Es besteht die Theorie, dass Judo mit dem Ziel, die realistische Wirksamkeit des Jiu-Jitsus von der westlichen Welt zu verbergen, entwickelt wurde. Während des 2. Weltkriegs kamen viele amerikanische Soldaten mit der Judo-Kunst in Kontakt und brachten sie mit in die USA zurück.

JIU-JITSU UND DIE GRACIES

Als die Zeit der Samurai zu ihrem Ende kam und das Schwert durch die Pistole ersetzt wurde, wurden neue Sportarten entwickelt, um Kampfkünste zu trainieren. In Japan nahmen viele verschiedene Variationen von Jiu-Jitsu Gestalt an, unter anderem Karate, Aikido und Judo. Aber diesen Künsten fehlten entscheidende Teile der originalen, vollendeten Kunst des Jiu-Jitsus.

Dieser mangelnde Realismus sorgte für jahrelange Verwirrung in der Kampfkunst-Gemeinschaft. Eine Verwirrung, die der legendäre Bruce Lee später als „klassisches Durcheinander“ bezeichnete. Bruce Lee war ein Judoschüler, der zu seinen Lebzeiten viele Studien über Grappling durchführte. Er kritisierte traditionelle Kampfkünste als ineffizient. Je mehr traditionelle Kampfschulen Techniken einübten, die für den Kampf der Moderne nicht mehr geeignet waren, und ohne Möglichkeiten, sie sicher zu testen, desto mehr wurde das Ausüben dieser Künste zum Schwimmen ohne Wasser.

Erst als die Gracie-Familie in Brasilien mit der Sportkunst Judo und der Kampfkunst Jiu-Jitsu bekannt gemacht wurde, wurde die echte Jiu-Jitsu-Kunst wieder zum Leben erweckt. Das japanische Jiu-Jitsu (das als Judo ausgeübt wurde) wurde der Gracie-Familie in Brasilien um 1914 von Esai Maeda, der auch unter dem Namen Conde Koma bekannt ist, vorgestellt. Maeda war ein Jiu-Jitsu-Champion und direkter Schüler von Kano am Kodokan in Japan. Geboren im Jahre 1878 wurde er 1897 ein Judo-Schüler (Kanos Jiu-Jitsu).

1914 erhielt Maeda die Gelegenheit als Mitglied einer großen japanischen Einwanderungskolonie nach Brasilien zu reisen. In Brasilien, im nördlichen Staat Para, wurden Maeda und Gastão Gracie, ein einflussreicher Geschäftsmann, Freunde. Gracie half Maeda, sich zu etablieren. Als Zeichen seiner Dankbarkeit bot Maeda an, Gastãos ältesten Sohn, Carlos Gracie, in traditionellem, japanischen Jiu-Jitsu zu unterrichten. Carlos lernte einige Jahre und gab schließlich sein Wissen seinen Brüdern weiter.

Helio Gracie, der jüngste Sohn unter Gastãos und Cesalinas acht Kindern (drei waren Mädchen), war immer ein physisch sehr schwaches Kind. Das Hinaufrennen einer Treppe reichte aus, um bei ihm einen Ohnmachtsanfall auszulösen. Niemand wusste wieso.

Im Alter von 14 Jahren, zog er mit seinen älteren Brüdern zusammen, die in einem Haus in Botafogo, einem Bezirk von Rio de Janeiro, lebten und Jiu-Jitsu unterrichteten. Auf Anraten seines Arztes verbrachte Helio die nächsten Jahre damit, seinen Brüdern beim Unterricht nur zuzuschauen.

Eines Tages, Helio war gerade 16 Jahre alt, erschien ein Schüler für den Unterricht, als Carlos nicht da war. Helio, der sich beim Beobachten des Unterrichtes seiner Brüder alle Techniken eingeprägt hatte, bot ihm an, mit dem Unterricht zu beginnen. Als der Unterricht vorbei war, erschien Carlos und entschuldigte sich für die Verspätung. Der Schüler antwortete: „Kein Problem. Der Unterricht von Helio gefiel mir sehr gut. Falls es Ihnen nichts ausmacht, möchte ich gerne weiterhin von ihm lernen.“ Carlos war damit einverstanden und Helio wurde Trainer.

DIE GEBURT DES GRACIE JIU-JITSU

Helio erkannte schnell, dass die Durchführung der meisten Techniken, die er beim Beobachten des Unterrichtes von Carlos gelernt hatte, aufgrund seines schwachen Körperbaus für ihn sehr schwierig war. Erpicht darauf, die Techniken erfolgreich ausführen zu können, begann er, sie für seinen schwachen Körper anzupassen. Helio modifizierte praktisch alle Techniken, indem er mehr Wert auf Hebelwirkung und Timing als auf Kraft und Geschwindigkeit legte. Durch systematisches Ausprobieren erschuf er Gracie/brasilianisches Jiu-Jitsu.

Um die Wirksamkeit seines neuen Systems zu beweisen, forderte Helio öffentlich alle angesehenen Kampfkünstler in Brasilien heraus. Er kämpfte 18 Mal, einschließlich der Kämpfe gegen den früheren Ringkämpfer-Weltmeister im Schwergewicht, Wladek Zbyszko, und den damals zweitplatzierten Judoka der Welt, Kato, den Helio innerhalb von sechs Minuten bewusstlos würgte. Sein Sieg gegen Kato qualifizierte ihn, gegen den Weltmeister, Masahiko Kimura, im Ring anzutreten, der fast 36 Kilogramm schwerer war als Helio. Kimura gewann den Kampf, war aber so beeindruckt von Helios Techniken, dass er ihn bat, in Japan zu unterrichten, da die Techniken, die Helio während des Kampfes gezeigt hatte, in Japan nicht existieren würden. Der Weltbeste erkannte somit Helios Einsatz an, die Kunst zu verfeinern.

Als Helio 43 Jahre alt war, stellte er mit seinem Gegner, dem ehemaligen Schüler Waldemar Santana, den Weltrekord für den längsten, ununterbrochenen „no holds barred“-Kampf auf. Sie kämpften unglaubliche 3 Stunden und 40 Minuten!

Helio, der weithin als erster Sportheld Brasiliens galt, forderte auch Box-Idole Primo Carnera, Joe Louis und Ezzard Charles heraus. Sie lehnten alle ab.

Helio Gracie, ein engagierter Familienvater, der einen gesunden Lebensstil vorlebte, war der Inbegriff von Mut, Disziplin, Entschlossenheit und eine Inspiration für alle. Als eine Legende der Neuzeit, erhielt er internationale Anerkennung für sein Engagement, die Kunst zu verbreiten. Er wird als Erfinder des Gracie/brasilianischen Jiu-Jitsu anerkannt.